Nachhaltiger Auslandstierschutz

verfasst von Solveig Zumdiek

Bild: © Michelle Falke

Du möchtest lieber Zuhören als Lesen? Dann hör dir gerne die folgenden Podcastfolgen an:#337 2 Shelter, 2 Realitäten & #338 Adoption aus dem Ausland?

In dieser Folge habe ich mit Fiona über ein Public Shelter in Rumänien gesprochen und mit Mieke über Tierschutzarbeit auf Lombok. Zwei ganz unterschiedliche Realitäten – und doch eine gemeinsame Mission: Hundeleben mit FAM for Dogs e.V. verbessern.

1. Warum Auslandstierschutz überhaupt ein Thema ist

Vielleicht kennst du die Diskussion: „Warum Tierschutz im Ausland, wenn es doch hier in Deutschland auch genug Hunde in den Tierheimen gibt?“ Und ja – absolut richtig: auch bei uns sind viele Tierheime überlastet, auch hier ist Hilfe dringend notwendig und verdient Gehör. Aber: Menschen, die einmal vor Ort waren und die Situation in anderen Ländern hautnah erlebt haben, können das oft nicht mehr ausklammern. Für sie entsteht ein ganz persönliches „Warum“ – weil die Bilder und Erfahrungen sie emotional nicht mehr loslassen und sie etwas tun möchten. Und das eine schließt das andere nicht aus: Letztlich geht es immer um dasselbe – Tierwohl. Whataboutism („aber hier ist es doch auch schlimm…“) bringt uns da kein Stück weiter. Viel sinnvoller ist es, auf beiden Ebenen hinzuschauen – hier vor Ort und in den betroffenen Ländern. Jeder so, wie er kann.

# 2. Rumänien: Public Shelter = Tötungsstationen

Ein Beispiel, das vielen oft gar nicht so klar ist: In Rumänien landen Straßenhunde in sogenannten Public Sheltern. Und diese sind in den allermeisten Fällen nichts anderes als Tötungsstationen. Das bedeutet: Hundefänger bringen die Tiere dorthin, denn für jeden gefangenen Hund gibt es Geld und das ist lukrativ. Die Hunde werden dann dort  eingesperrt und nach einer gewissen Zeit getötet, damit wieder Platz für neue Hunde geschaffen werden kann. Tierschützer:innen versuchen verständlicherweise, so viele Hunde wie möglich dort herauszuholen. Aber auch genau das schafft wieder Platz im Public Shelter  – und die Hundefänger machen sich erneut auf den Weg, um neue Hunde einzufangen und die leeren Plätze zu füllen. Das ist demnach ein Fass ohne Boden und langfristig keine Lösung, sondern eher Symptombekämpfung (die ich persönlich auch nachvollziehen kann, denn schließlich möchte man Hunde hier vor dem direkten Tod bewahren – nur nachhaltig ist es oft leider nicht).

# 3. Lombok (Indonesien): Straßenhunde & medizinische Hilfe

Ein anderes Bild zeigt sich in Indonesien, genauer gesagt auf Lombok – der Nachbarinsel von Bali. Hier gibt es eine enorme Zahl an Straßenhunden. Diese Hunde leben direkt in der Gemeinschaft, aber oft ohne Versorgung: kein Futter, keine medizinische Hilfe, keine Parasitenmittel. Viele leiden an Hautkrankheiten, Parasitenbefall oder schweren Verletzungen durch Unfälle. Zudem kommt hinzu, dass Hunde auch aasreligiösen Gründen getötet oder absichtlich verletzt werden. 

Hier bedeutet nachhaltiger Tierschutz vor allem:

  • Fütterungstouren, um das tägliche Überleben der Hunde zu sichern
  • medizinische Grundversorgung, z. B. Parasitenmittel, Impfungen, Wundversorgung
  • Aufklärung der Menschen vor Ort, um langfristig einen anderen Umgang mit Hunden zu schaffen

Das Besondere: Nicht jeder Straßenhund muss „gerettet“ und adoptiert werden. Manche führen ein gutes Leben auf der Straße – wenn man sie lässt. Die Frage ist also immer: Wo ist Unterstützung wirklich notwendig, damit das Leben der Tiere lebenswert bleibt?

# 4. Nachhaltiger Auslandstierschutz: Was gehört dazu?

„Hunde rausholen“ allein reicht nicht, wie auch das Beispiel mit Rumänien zeigt – so hart das auch klingt. Nachhaltiger Auslandstierschutz bedeutet, die Ursachen anzugehen:

  • Kastrationsprogramme: um das unkontrollierte Vermehren einzudämmen
  • Aufklärung der Menschen vor Ort: nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern im Verständnis für die jeweilige Kultur, Religion und auch die Lebensumstände der Menschen
  • Anpassung von Regeln und Gesetzen: damit Straßenhunde nicht mehr wie „Abfall“ behandelt werden. Und hier kann man tatsächlich etwas verändern. Um mal zwei Beispiele zu nennen: Rumänien – hier unterstützt Fam for Dogs ein Public Shelter, welches nicht mehr als Tötungsstation fungiert & auf Lombok konnte sogar eine Tötungskampagne gestoppt werden. Das geht aber nur, wenn man sich auch traut auf dieser Ebene aktiv zu werden
  • Schaffung von Toleranz: es geht nicht darum, dass alle Menschen Hunde lieben sollen, denn man kann sie ja notfalls auch ignorieren  – sondern dass Gewalt und das Töten keine „Lösung“ mehr darstellen

Und was bedeutet das auch ganz konkret für Deutschland? Wir können von diesen Projekten einiges lernen. Auch hier sind Tierheime überfüllt. Auch hier gibt es viele Hunde, die ein Zuhause suchen. Nachhaltiger Tierschutz heißt für Deutschland zum Beispiel:

  • Aufklärung: Was bedeutet es wirklich, einen Hund ins Leben zu holen?
  • Mehr Regeln für Anschaffung, Zucht & Handel: strengere Kontrollen, vor allem im Online-Handel
  • bessere Unterstützung der Tierheime auf höheren Ebenen

Und auch hier gilt: Es geht nicht darum, Schuld zu verteilen oder „die Menschen“ pauschal schlecht zu machen. Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Tierwohl ermöglichen.

5. Fazit 

Nachhaltiger Auslandstierschutz bedeutet, nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern Strukturen zu verändern. Es geht nicht ums Gegeneinander – Deutschland oder Ausland – sondern immer ums Tierwohl. Und jede:r, der sich engagiert, trägt ein Stück dazu bei.

Alles Liebe für dich und deinen Hund,

Solveig

 

#SUPPORT

FAM for Dogs e.V. (Fight and Movement for Dogs) setzt sich für nachhaltigen Tierschutz ein – mit Fokus auf die Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort. Du kannst auf folgende Weise unterstützen:

👉 Hier findest du FAM for Dogs:
🌐 Website: https://famfordogs.com
📸 Instagram: @famfordogs

 

 

Top